Drive-In-Schalter...

 

Bereitgestellt: 19. Oktober 2002
Quelle: per Mail von einer Kollegin


Bestellung am "Drive-In" Schalter !

Am meisten Spaß macht Essen im Auto!
Deswegen besitze ich diese erhöhte Affinität zu
Drive-In-Schaltern, speziell in meinem Lieblings-
Fast-Food-Restaurant.

Das Vergnügen an dieser Self-Service-Version
des Essens auf Rädern wird allerdings erheblich
durch die Qualität der Gegensprechanlage gemindert.
Gegensprechanlage?
Meiner Überzeugung nach hat sie diesen Namen
deshalb bekommen, weil sie völlig gegen das
Sprechen ausgelegt ist.

"Hiere Bechelun hippe!" knarzt es mir aus dem
Lautsprecher entgegen

- sounds like Schellackplatte.

Aus Erfahrung allerdings weiß ich, dass sich
die Stimme (männlich? weiblich?...
wohl eher männlich!?) am anderen Ende dieses
Dosentelefons soeben nach meiner Bestellung
erkundigt hat.
Jetzt einfach bestellen wäre mir zu langweilig.
Demzufolge stelle ich zunächst eine Frage:
"Haben Sie etwas vom Huhn?"

Aus dem Lautsprecher ertönt ein schwer
verständliches Wort, das aber eindeutig mit
"...icken" endet.
Ich antworte:
"Später vielleicht, zunächst möchte ich etwas essen."

Etwas lauter tönt es zurück: "SCHICKEN!"
Ich kann es mir nicht verkneifen:
"Nein, ich würde es gleich selbst abholen."

Eine kurze Pause entsteht.
Ich stelle mir belustigt die genervte Visage
des McKnecht vor. Als die Sprechpause zu lang
zu werden droht sage ich:
"Ach so, Sie meinen Chicken! Nö, lieber doch nicht.
Haben Sie vielleicht Presskuh mit Tomatentunke
in Röstbrötchen?"

"Hamburger?" fragt mein unsichtbares
Gegenüber zurück.

Der Wahrheit entsprechend erwidere ich:
"Nein, ich bin von hier. Aber hat das denn Einfluß
auf meine Bestellung?"

"Wol-len Sie ei-nen H-a-m-b-u-r-g-e-r?"

"Jetzt beruhigen Sie sich mal! Ja, ich nehme einen."

"Schieß?"

"Stimmt, hatte ich nach meiner letzten Mahlzeit
hier. Mittlerweile ist meine Darmflora allerdings
wieder wohlauf, ich denke, ich kann es erneut
riskieren."

Der Stimminhaber beginnt mir ein wenig
leid zu tun. Er kann ja nichts für den Job.
Aber ich ja auch nicht...

"Ob Sie KÄÄÄSE auf dem Hamburger möchten!?"

"Ahja, gern. Ich nehme einen mittelalten Pyrenäen-
Bergkäse, nicht zu dick geschnitten, von einer
Seite leicht angeschmolzen."

Ob die nächste Ansage aus dem Lautsprecher
"Sicher doch" oder "A...loch" lautet, kann ich nicht
exakt heraushören. Deutlicher jedoch erklingt nun:
"Was dazu?"

"Doch, ja. Ich hätte gerne diese gesalzenen
fritierten Kartoffelstäbchen."

"Also Pommes?"

"Von mir aus auch die."

"Groß, mittel, klein?"

"Gemischt. Und zwar jeweils genau zu
einem Drittel große, mittlere und kleine."

"WOLLEN SIE MICH EIGENTLICH VERARSCHEN?"
Diese, wiederum sehr laut formulierte, Frage
verstehe ich klar und deutlich. Sie verlangt eine
ehrliche Antwort:
"Falls das die Bedingung ist, hier etwas zum Essen
zu bekommen: Ja. Also: Machen wir weiter?"

Die Stimme schnauft kurz und fragt:
"Gut, gut. Etwas zu den Pommes?"

"Ein schönes Entrecôte, blutig, und ein
Glas 1996er Spätburgunder, bitte."

"ICH KOMM DIR GLEICH RAUS UND
GEB DIR BLUTIG!!!"

"Machen Sie das, aber verschütten Sie dabei
bitte nicht den Wein."

"Schluß jetzt, Schalter zwei, vier Euro fünfzehn!"

Schon vorbei. Gerade, als es anfängt,
lustig zu werden. Aber ich habe noch ein
As im Ärmel.
Ich zahle mit einem 200-Euro-Schein.

"Tut mir leid, aber ich hab's nicht größer."
PIEP! ... Freundlich werde ich ausgekontert:
"Kein Problem."
Mit kaltem Blick lässt ein bemützter Herr
mein Wechselgeld auf den Stahltresen klappern.

Nicht mit mir, Freundchen!

Ich will den Triumph! Zeit also für's Finale:
"Kann ich bitte eine Quittung bekommen?",
frage ich überfreundlich. "Ist ein Geschäftsessen."


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